Erfolgreiche Lohneintreibung in Neuwied und weitere Aktivitäten

Einem Genossen, der in einem Handwerksbetrieb in Neuwied in Probezeit arbeitete, flatterte unlängst ein Brief in den Postkasten: Der Chef erklärte, er sei mit seinem Mitarbeiter unzufrieden und würde ihm gerne – rückwirkend − den Lohn kürzen. Als sich unser Mitglied nicht auf dieses eigentümliche Manöver einließ, wurde ihm gekündigt und er augenblicklich bis Ende der Kündigungsfrist freigestellt. Zusätzlich wollte der Chef offenbar den Lohn, der unserem Mitglied inklusive für den Zeitraum der Freistellung zustand, ebenfalls gerne einkassieren. Jedenfalls blieb die Zahlung aus. Höfliche aber bestimmte Mails und Anrufe durch einen Genossen der FAU Koblenz konnten ihn schließlich davon überzeugen, das Gehalt doch noch zu überweisen. Für das anteilige Gehalt der Freistellung galt das leider nicht und so musste erst ein Gütetermin beim Arbeitsgericht her. Sobald der stand, wurde das Geld auf einmal doch überwiesen. Fazit: Lohnraub muss man nicht hinnehmen und Solidarität hilft.

Was wir u.a. sonst noch so getan haben:

  • Wir wandern wieder, u. a. am 1. Mai gemeinsam mit unseren FreundInnen der Plattform Trier.
  • Für das Projekt einer Getränkekooperative wurden Rosenpflanzen eingepflanzt, deren Früchte verarbeitet werden sollen.
  • Wir haben uns an verschiedenen Demonstrationen beteiligt, u. a. an einer antifaschistischen Mobilisierung in Siegen und beim 1. Mai in Dortmund.
Wanderung am 1. Mai! Zusammen mit ‚Die Plattform (Trier)‘
Rosenpflanzen unter die Erde bringen! Für eine geplante Getränkekooperative.

FAUista wird zu Geldstrafe wegen Beleidigung verklagt – wir stellen uns hinter unser Mitglied

Eines unserer Mitglieder hat in einer Auseinandersetzung mit einem Koblenzer Einwohner eine Positionierung gegen Rechts gefordert, woraus sich ein Streit entwickelte, und wurde anschließend wegen Beleidigung verklagt. Wir finden: Unsere Mitglieder sollen sich jederzeit antifaschistisch äußern und Personen konfrontieren können, die sich nicht von Rechten distanzieren wollen. Deshalb stellen wir uns hinter unser Mitglied und übernehmen einen Teil der Strafe.

Solidarität mit den gekündigten Arbeiter*innen bei Dragon Sweater – immer noch

Mitglieder des Allgemeinen Syndikat Koblenz und des Allgemeinen Syndikat Bonn haben heute mit einer Flyer-Aktion vor zwei New Yorker Filialen in Koblenz die Kampagne United against the Dragon (https://www.unitedagainstthedragon.info) unterstützt. Im Februar und März waren in Bangladesch 6000 Textilarbeiter*innen von ihrem Arbeitgeber Dragon Sweater vor die Tür gesetzt worden. Seitdem kämpfen sie um eine Abfindung und ausstehende Löhne.

Dragon Sweater belieferte unter anderem New Yorker, Walmart und Lidl mit Textilien. Diese Unternehmen tragen eine Mitverantwortung dafür, dass arbeitsrechtliche Mindeststandards ihrer Zulieferer eingehalten werden. Bereits im September hatte deshalb unsere Stadtsektion in Siegen vor zwei Lidl-Filialen protestiert. Ein Bericht dazu findet sich hier: Solidarität mit den gekündigten Arbeiter*innen bei Dragon Sweater

Im Oktober wurde eine Einigung erreicht, nach der die Arbeiter*innen immerhin etwa die Hälfte des ihnen zustehenden Geldes hätten bekommen sollen. Die ersten Zahlungstermine Anfang November sind aber bereits verstrichen und es kam bisher immer noch kein Geld an. Deshalb gehen die Proteste weiter, bis die Arbeiter*innen bezahlt werden.

Reinstate Richie Venton!

Weil Richie Venton sich für Bezahlung und Arbeitssicherheit in Zeiten von Corona eingesetzt hat, hat IKEA ihn vor die Tür gesetzt.  Die internationale Kampagne für seine Wiedereinstellung wird unter anderem von der FAU (Freie ArbeiterInnen-Union) und unserer Schwestergewerkschaft IWW (Industrial Workers of the World) unterstützt: https://reinstaterichieventon.com/

Unter dem Hashtag #reinstaterichieventon startete das Allgemeine Syndikat Bonn (https://bonn.fau.org) eine Social-Media-Aktion zur Unterstützung der Kampagne, an der wir uns beteiligen. Die Idee: Auf kreative Art und Weise die Wiedereinstellung von Richie fordern.

Wenn auch du dich beteiligen willst, bist du herzlich eingeladen. Mache ein Foto mit Bezug zur Kampagne und einem Gegenstand, der von IKEA kommt. Poste das Foto entweder selbst unter dem Hashtag #reinstaterichieventon auf Social Media (und verlinke uns gerne), oder wenn du selbst kein Social Media benutzt, sende uns auch gerne das Foto per E-Mail an fauko-kontakt@fau.org

Hier die bisherigen Bilder unseres Syndikats als kleine Anregung:

   

Anarchismus und Syndikalismus in der Gewerkschaftsbewegung Deutschlands

Gestern veranstalteten wir ein Wanderseminar zum Thema Anarchismus und Syndikalismus in der Gewerkschaftsbewegung Deutschlands (1878-1939) in der Nähe von Bendorf-Sayn. Trotz Regenwetter war das Seminar außerordentlich gut besucht. Teilnehmende waren aus Saarbrücken, Düsseldorf, Frankfurt, Siegen und Mannheim angereist.

An verschiedenen Stationen erzählte uns der Referent jeweils etwas über die Geschichte unserer Bewegung und insbesondere über die Besonderheiten der Bewegung in Deutschland. Angefangen mit den Lokalisten, die aus der Not eine Tugend machten: Da es durch die Sozialistengesetze nicht mehr möglich war, sich reichsweit als Gewerkschaft zusammenzuschließen, organisierten sich Arbeiter stattdessen in lokalen gewerkschaftlichen Fachvereinen. Die Lokalisten erkannten bald die Vorteile dieser dezentralen Organisationsform und behielten sie auch nach der Abschaffung der Sozialistengesetze bei.

Hiervon ausgehend zeichnete der Referent über verschiedene Generationen die Geschichte und Entstehung der anarchosyndikalistischen Bewegung in Deutschland nach. Über die Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften, den Bruch mit der Sozialdemokratie Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, die Inspiration durch die internationale syndikalistische Bewegung und durch die Ideenlehre des Anarchismus, die Repression während des ersten Weltkrieges aufgrund ihrer strikt antimilitaristischen Haltung, bis hin zu Gründung, Aufstieg und Niedergang der Freien Arbeiter-Union Deutschlands während der Weimarer Republik.

Zudem gab es eine eigene Station zur Geschichte des syndikalistischen Frauenbundes, einer Initiative innerhalb der FAUD, die – nicht zuletzt gegen die eigenen Ehemänner und Genossen – nicht nur für ihre Befreiung als Proletarierinnen, sondern auch für ihre Befreiung als Frauen kämpften.

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Vom Siegerland bis zur Mittelmosel – gemeinsam sind wir stark

Unser Syndikat beschränkt sich nicht nur auf den Koblenzer Raum, sondern bietet aufgrund seiner geographischen Lage auch weiter entfernt wohnenden Genoss*innen ein gewerkschaftliches Zuhause. Gestern hatte unsere Stadtsektion in Siegen zu einem Treffen zum Kennenlernen, Vernetzen und Austausch eingeladen. (Dazu gehörte natürlich eine Wanderung bei bestem Siegerländer Wetter, auf der die Genoss*innen von außerhalb etwas über Siegens Geschichte und Landschaft erfahren konnten.) Der Einladung der Siegener Genoss*innen waren Menschen aus Koblenz und von der Mittelmosel gefolgt.

Gemeinsam verbrachten wir einen wunderschönen Tag und konnten uns gegenseitig viele Impulse für unsere Arbeit als Gewerkschafter*innen geben.

Zusammen gegen die systematische Vereinzelung

Vergangenen Sonntag waren Aktive des Allgemeinen Syndikat Koblenz (FAU) zusammen mit ‚Die Plattform‘ (Trier) und weiteren Anarchist*innen aus Saarbrücken auf einer Wanderung um Cochem an der Mosel unterwegs. Wir tauschten uns über die jeweils aktuelle Lage in den verschiedenen Städten aus und nutzten die 16 gelaufenen Kilometer um unsere bestehende Vernetzung weiter auszubauen.

Dieser Ausflug reiht sich in eine ganze Reihe von aktuell laufenden Aktivitäten ein, welche den Ansatz einer kollektiven und emanzipatorischer Freizeitkultur verfolgen.

 

Die meisten von uns gehen einer Lohnarbeit nach, welche einen Großteil unserer Lebenszeit ausmacht. Manche von uns haben dazu noch Kinder, anderweitige familiäre Verpflichtungen, oder Probleme wie Krankheiten, die auch eine Menge Zeit und Kraft kosten – zudem hat sich das individualisierte Wohnen in unserer Gesellschaft weitgehend durchgesetzt, unabhängig davon ob sich diese Situation nun auf eine eigene Wohnung oder eine ökonomische Zweck-Wohngemeinschaft bezieht. Die aktive Freizeitgestaltung und die daher mit eingehenden sozialen Kontakte bleiben leider oftmals auf der Strecke. Wir wollen dieser systematischen Vereinzelung in dieser egoistischen Gesellschaft entgegenwirken und ein gemeinsames Freizeitangebot für uns und unser Umfeld auf die Beine stellen. Wir wollen miteinander – auch außerhalb von Arbeitskämpfen und politischen Aktionen – in Kontakt treten, uns näher kommen und ernsthafte Freundschaften aufbauen. Wir wollen nicht länger alleine sein und im Alter komplett vereinsamen.

Vieles unserer Aktivitäten finden im internen Rahmen unseres Syndikats statt, was natürlich in keiner Weise einen Ausschluss von Interessierten bedeutet. Viel mehr kann auch das als Anreiz gesehen werden sich mit uns zu organisieren um zusammen für das gute Leben zu kämpfen – egal ob auf der Lohnarbeit oder danach.

Gerne laden wir aber auch öffentlich immer wieder zu Veranstaltungen und Ausflügen ein. So zum Beispiel haben wir zwei weitere Ausflüge für den Monat Oktober geplant:

  • Am 03. Oktober bieten wir euch ein spannendes Wanderseminar zur Geschichte des Anarchismus und Syndikalismus in der Gewerkschaftsbewegung bis 1939 in Deutschland an. (mehr Infos hier)
  • Am 25. Oktober werden wir eine weitere Wanderung zum Kennenlernen durchführen. Dazu seid ihr natürlich herzlich eingeladen. (mehr Infos hier)